Sonntag, 15. Februar 2015

Mexiko. In 7 Monaten viel gesehen und viel verpasst.

Baja California war eine große Überraschung für uns. Wir dachten an Wüste und Kakteen.
Natürlich gibt es die Kakteenwüsten, wunderschön. Aber es gibt auch Berge, Wale die in der Bucht von Guerrero Negro ihre Jungen aufziehen, traumhafte Strände und Orte die zum Verweilen einladen. Die Baja California ist noch recht amerikanisiert, obwohl sich kaum noch Amerikaner mit ihren großen Womos hier runter trauen weil die Mexikaner eben alles Mörder und Verbrecher sind. Wie sagte ein Schweizer so treffend. „Die Amerikaner zetteln auf der ganzen Welt Kriege an und vor den Mexikanern haben sie Angst, ha ha ha“
Mit der Fähre ging es von La Paz auf das Mexikanische Festland nach Topolobampo. Die Amerikaner haben wir nun endgültig hinter uns gelassen. Südwärts entlang der Pacific Küste verbrachten wir einige schöne Wochen an Palmenstränden bis wir von den Blackflees ins zentrale Hochland vertrieben wurden. Die Blackflees sind wirklich üble Viecher. Die sind so winzig, dass man sie nicht hört und nicht sieht und wenn man nicht aufpasst, dann haben sie dich in kurzer Zeit aufgefressen und es juckt tagelang.
Die Fahrt von der Küste ins Hochland war wunderschön, langsam wechselte die tropische Vegetation in offene Kiefernwälder und dann in hügelige Weidelandschaften. Das Klima ist ganzjährig frühsommerlich und die geschichtsträchtigen Kolonialstädte laden uns sofort zum bleiben ein. In Guadalajara bekommt man Mariachi Musik auf die Ohren bis zum abwinken. In der Silberstadt Guanajuato haben wir uns in den engen steilen Gässchen so verfranzt, dass wir mit unserem Hiace so eingekeilt waren und wir glaubten, da kämen wir nie mehr raus. In San Miguel de Allende wo sich die Fernreisenden aus Nord und Süd kommend treffen, sind wir beinahe nicht mehr los gekommen. Wir sind in heißen Flüssen geschwommen, auf Berge gestiegen und durch Millionen und Abermillionen von Schmetterlinge gewandert. Wir haben die Mexikanisch Küche genossen, die mal toll und mal weniger gut war und wir haben tolle Menschen getroffen, Mexikaner und Leute aus der ganzen Welt, die wie wir unterwegs sind. In Mexiko Stadt haben wir noch die Sonnen- und Mond Pyramide bestiegen und dann war es Mitte April 2014, Zeit uns erst mal von Mexiko zu verabschieden. Wir haben unser Auto bei Pepe in Mexiko Stadt stehen lassen und sind für den Sommer nach Hause. 
Anfang Dezember, sind wir wieder zurück nach Mexiko gekommen. Unser Auto war unversehrt und nach einer Schlüsselumdrehung lief er wie zuvor. Wir hatten es auch nicht anders erwartet. Nach einigen kleinen Modifizierungen an unserem Auto -Sicherheitsfolie an den Fenstern, Montage einer Kederschiene für ein Sonnendach, LED-Band als neues „Hoflicht“ und eine Aussendusche- haben wir unsere Reise fortgesetzt. Weihnachten haben wir in Oaxaca und Silvester an der Pazifikküste verbracht. Siehe meine Berichte http://tanner-amerika.blogspot.mx/2015/01/weihnachten-oder-karfreitag.html  und http://tanner-amerika.blogspot.mx/2015/01/goa-auf-mexikanisch-die-menschen-jung.html . Eine zeitlang sind wir noch an der Küste auf der Mex 200 entlang gefahren aber dann ging es wieder in die Berge nach Chiapas. Chiapas steht für Berge, Wälder, Seen, Flüsse, Wasserfälle und natürlich für die farbenprächtigen Trachten der Indigenos aber auch für Unterdrückung und Rebellion der überwiegend von den Mayas abstammenden Bevölkerung. Über Tuxtla ging es nach San Cristobal. Die Stadt ist ein richtiger Touristenmagnet geworden aber trotzdem immer noch eine wunderschöne Stadt. Auch die Dörfer rings um San Cristobal haben einige Kuriositäten zu bieten siehe auch http://tanner-amerika.blogspot.mx/2015/01/mehr-als-mystik.html . Ansonsten ist im Internet alles über Chiapas beschrieben. Von San Cristobal aus fuhren wir mit unseren schweizer Freunden auf der Mex 307 durch den Dschungel, entlang der guatemaltekischen Grenze. Diese Strecke wird von den meisten Touristen gemieden, weil sie sie als gefährlich einstufen und noch viel von Drogenschmugglern verwendet wird. Wir wanderten und fuhren durch eine wunderschöne Dschungellandschaft mit Seen, Flüssen, Wasserfällen, Kaskaden und Ruinenstädten. Manche Ruinen konnte man nur mit einem Boot erreichen. Unsere Wanderungen entlang der Flüsse zu den Wasserfällen und Maya Ruinen wurden begleitet von bunten Papageien und Brüllaffen. Einer der Höhepunkte war dann, was die Mayakultur betrifft, natürlich Palenque. Seit unserem letzten Besuch vor 30 Jahren wurde viel an den Ruinen gearbeitet und restauriert. Urs und ich haben uns früh morgens um 6 Uhr mit meinem Quadrocopter, lange vor der offiziellen Öffnungszeit in die Ruinenstadt geschlichen. Ich wollte bei Sonnenaufgang über die Ruinen fliegen und dabei filmen. Natürlich war ein kleines Trinkgeld für die Nachtwächter notwenig um hinein zu kommen. Aber als einem dann unser schwarzer Koffer aufgefallen ist bekam er dann doch kalte Füsse. Er wollte wissen, ob eine Bombe drin ist. Als ich dann den Koffer geöffnet habe hat in das, was er gesehen hat noch mehr beunruhigt. Wenn wir damit fliegen, meinte er kommt er ins Gefängnis. Na ja, das wollten wir natürlich nicht und so haben wir den Sonnenaufgang ganz alleine nur mit bunten Vögeln und Brüllaffen aber ohne Rundflug genossen.
Über Campeche und Uxmal ging es nach Merida der Hauptstadt des Yucatan. Auf dem Weg an die Karibikküste legten wir einen Stop bei Harald einem Wiener ein, der in Izamal ein Hotel und Restaurant betreibt, um ein Wiener Schnitzel zu essen. Bevor wir nach Tulum fuhren, konnten wir es nicht lassen nach Playa del Carmen zu fahren. Vor dreissig Jahren als der Ort noch ein kleines Fischerdorf war hatten wir hier Wochen in der Hängematte verbracht. Die Palmen und unseren Strand haben wir zwischen den Luxushotels und Hochhäusern natürlich nicht mehr gefunden aber dafür haben wir bei einem Italiener wunderbar gegessen.
In Tulum wird uns bewusst, das wir eigentlich schon lange in Guatemala die Schulbank drücken wollten. In Chetumal, kurz vor der Grenze zu Belize haben wir dann doch noch 10 Tage am Strand verbracht. Aber dann war es doch so weit Mexiko nach knapp 7 Monaten adieu zu sagen. Wir passieren die Grenze und in Belize ist schlagartig alles anders. Schon der Grenzer ist schwarz mit Rasterlocken und aus dem Lautsprecher plärrt Reggaemusik.

Ist Mexiko gefährlich? 
Ja, wenn man zu Hause und besonders in den USA die Medien verfolgt. Dann leben in Mexiko nur Verbrecher, Diebe und Mörder, Drogenbosse und korrupte Polizisten. Nach den ersten Tagen in Mexiko wundert man sich, dass man noch am leben ist oder nicht wenigstens bis auf die Unterhose ausgeraubt ist.

Nein, wenn man hier ist. Wir haben nie eine gefährliche Situation erlebt, weder wurden wir von „korrupten“ Polizisten abgezockt noch wurden wir auch nur im geringsten von irgend jemandem bedrängt. Ganz im Gegenteil, die Polizei ist äusserst hilfsbereit und die Menschen sind sehr lebenslustig, sie lieben das Leben, ihr Essen, ihre Musik und auch uns Traveller. Alle Reisenden aus der ganzen Welt, denen wir begegnet sind, würden euch das selbe erzählen. Natürlich haben wir fast keine Amerikaner getroffen, den die trauen sich, wenn überhaupt nur noch in die großen Touristencenter. Die gucken auch noch mehr Fern als wir.

Freitag, 6. Februar 2015

Über Nacht haben sie uns die Schienen geklaut.

20 Mann mit mit Spitzhacken und Brecheisen bewaffnet, huschen leicht gebückt im Schutz der Dunkelheit früh Morgens um 3 Uhr, wo sie sicher sein können, das alles schläft, von Cuzama kommend, entlang der Schmalspurschienen Richtung der Sisal-Hacienda . Einen Kilometer vor der Hacienda machen sie halt. Die Befehle werden leise, kaum hörbar gegeben, aber jeder der Männer weiß was er zu tun hat. Sie arbeiten leise und konzentriert und nach einer Stunde haben sie einen Kilometer der Gleise abgebaut und abtransportiert. Zufrieden mit ihrem Nachtwerk machen sie sich so leise wie sie gekommen waren auf den Heimweg. Am liebsten hätten sie natürlich laut eine Siegesmelodie aus der Revolutionszeit gesungen.
Dem großen Palaver, von dem wir schon früh morgens geweckt wurden folgt Hilflosigkeit und eine tiefe Resignation. Von der emsigen Betriebsamkeit, die gestern herrschte als wir auf der Hacienda ankamen, fehlt jetzt, während wir beim Frühstück sitzen, jede Spur. Keine Pferde, die unruhig und wiehernd an ihren Zügeln zerren, kein Wagengequietsche, keine Wagenführer die lauthals ihre Dienste anboten. Nur hängende Gesichter und Resignation. Es ist offensichtlich, dass sie das Ungeheuerliche entdeckt haben und nach der ersten Aufgeregtheit nicht wissen, was sie jetzt tun sollen. Nach unserem Frühstück erkundigen wir uns bei den Männern was passiert ist. Gott sei dank haben wir Barbara bei uns, denn sie spricht ganz passabel spanisch, so dass wir erfahren was los ist. „Die Leute aus der Nachbargemeine haben uns über Nacht die Schienen geklaut“ erzählt Fernando, ein rundlicher älterer Herr mit tief gefurchtem, runden Mayagesicht. „Das ist doch Diebstahl“, „die können doch nicht...“ , „so eine Sauerei“, jeder von uns gibt seine Kommentare ab, so gut wir es halt in spanisch können. Aufgestachelt durch unsere Anteilnahme beginnt das lautstarke Palaver von neuem und Fernando schwingt sich zum Wortführer auf. „Sogar die Gringos sagen: das ist gemein, die sind Banditen....“ „Ja genau, die Gringos sind extra zu uns gekommen und jetzt können sie nicht mit uns zu den Cenoten fahren, dass können wir uns nicht gefallen lassen!“ ruft der junge Carlos rebellisch dazwischen. Wir, das sind unsere Schweizer Freunde aus Solothurn Barbara und Urs, mit denen wir schon seit ein paar Wochen zusammen fahren, Edda, ich und einige junge Amerikaner. Wir setzen uns ein wenig abseits und verfolgen gespannt den Aufstand. Und die Mexikaner wären keine Mexikaner wenn sie sich ein Geschäft entgehen lassen würden. Nach 10-15 Minuten war wohl klar wie mit den Frevlern, die die Schienen geklaut haben verfahren werden soll. Einfach ignorieren und eine Abordnung nach Merida schicken, die sich in der Hauptstadt über die Sauerei beschwert. Während sich die Abordnung für den Aufbruch zurecht macht werden einige Wagen auf die Schienen gehievt, die Holzlager der Achsen mit Altöl geschmiert, die Pferde vorgespannt und wir können zu viert in den kleinen Wagen steigen. Unser Führer schnalzt mit der Zunge und seine La Paloma galoppiert los. In einem Affenzahn holpern wir über die hundert Jahre alten Schienen. La Paloma rennt als ob sie verfolgt wird, was irgendwie auch stimmt. Uns folgen zwei junge Mexikaner mit ihren klapprigen Fahrrädern. Nach einem Kilometer stoppt unser Gespann. Die Schienen sind zu Ende, rausgerissen! Unser Wagenführer sagt, wir sollen zu Fuss weiter gehen. Als wir etwas ungläubig schauen, erklärt er uns, dass wir nur einen Kilometer gehen müssen. Er kommt dann mit dem Wagen nach. Jetzt sehen wir auch weshalb wir von den beiden Radfahrern verfolgt wurden. Gemeinsam mit La Paloma zerren und schieben sie den Wagen über das schienenlose Gelände. Nach 10 Minuten sind die Schienen wieder da und unsere Holperfahrt geht weiter. Angetrieben durch das ständige schnalzen unseres Wagenführers bleibt La Paloma im Galopp. Immer wieder rasen wir auf scharfe Kurven zu und mit einem Ohrenbetäubenden gequietsche reisst uns La Paloma um die Kurve. Immer wieder müssen Weichen gestellt werden, obwohl 100 Jahre alt, funktionieren sie noch. Zum Glück haben wir zwei Eisenbahnspezialisten mit an Bord. Barbara und Urs, beide Manager der Schweizer SBB. Sie beruhigen uns bezüglich des Schienennetzes. „Das sei noch ganz in Ordnung“ gibt Urs trocken von sich. Warum er sich aber strikt weigert in Fahrtrichtung zu sitzen, damit er die Gleise sehen kann, spricht Bände. Was uns, Edda und mich aber eher beunruhigt ist La Paloma. Edda weil sie Pferde kennt und weiß, dass die machmal komische Sachen machen, sie ist ja lange geritten und mich weil ich sowieso denke das Pferde mit ihrem kleinen Gehirn viel zu groß und zu stark sind. Ich habe auch einen Beweis dafür, dass das Verhältnis zwischen Gehirngrösse und Kraft nicht stimmt. Wir hatten einmal die blöde Idee mit Pferden und Planwagen durch die USA zu reisen. Von der Ostküste zur Westküste, so wie die Pioniere damals. Natürlich war ich nicht so blauäugig um zu glauben, dass könnte ich schon, obwohl... lassen wir das. Edda hat mich auf jeden Fall davon überzeugt, mit Ihr einen Kutschenkurs zu machen. Wochenlang mussten wir trocken üben. Unser Küchenstuhl war mein Pferd. Über der Stuhllehne hingen die Zügel mit zwei Gewichten und am anderen Ende war der Kutscher, ich. Die Aufgabe bestand darin, die Zügel anzuziehen und wieder los zu lassen und dabei peinlichst darauf zu achten, dass die beiden Gewichte immer auf gleicher Höhe blieben. Ich muss zugeben, dass war gar nicht so einfach wie ich dachte. Aber das lag vor allem daran, weil man die Zügel mit so komischen Griffen halten musste. Sepp, unser Kutschenlehrer bestand aber strikt darauf, dass wir unsere Hände genau so komisch verdrehen und verbiegen, wie er es uns gezeigt hatte. Aber nach einer Woche hatte ich den Dreh raus und ich war bereit für die erste Ausfahrt mit einem richtigen Pferd. Schliesslich bin ich als Kind ja auch schon mal auf einem Pferd geritten. Der blöde Gaul hat mich damals zwar abgeworfen aber meine Erfahrung mit Pferden konnte mir keiner mehr nehmen. Vor allem war für mich klar, so ein kleines Gehirn in so einem großen Tier ist gefährlich. Seither halte ich immer einen gewissen Abstand zu den Viechern und damit bin ich bis jetzt ganz gut gefahren und immerhin schon über 60 geworden. Apropos fahren, also ich fühlte mich bereit für die erste Ausfahrt, aber Sepp war da ganz anderer Meinung und ich musste den ganzen Sommer trocken weiter üben. Inzwischen war der Hopfen schon hochgewachsen. Aus lauter Verzweiflung habe ich meinem Stuhl schon einen Namen gegeben. Fury konnte mittlerweile traben, galoppieren, rückwärts laufen und wenn ich wollte auch im Kreis gehen. Alles war perfekt und eines Sonntags, die Hopfen hatten schon Dolden gebildet, war es dann so weit. Clara, nicht Fury wurde vor die Kutsche gespannt und ich durfte auf den Bock. Meinen Parkur, den mir Sepp erklärt hat konnte ich mir gut merken. Den Weg runter, mitten durch den Hopfengarten, dann links und am Rand vom Hopfengarten wieder zurück. Alles ganz easy. Sepp und Edda blieben zurück und wollten meine Fahrkünste von der Ferne aus beobachten. Hü, ein kurzer Schüttler am Zügel und Clara lief los. Schon zu Anfang bemerkte ich, dass Clara ein wenig Mühe hatte geradeaus zu laufen und ich ihr ein wenig helfen muss. In kleinen Schlangenlinien treffen wir dann doch den Eingang zum Hopfengarten. Geschafft. Jetzt kann ich ein wenig mehr Gas geben, weil der Weg jetzt ja für Clara klar ist. Hü, hü, kräftig mit dem Zügel schütteln und Clara trabt los. Irgendetwas stimmt aber nicht mit Clara. Das mit den Schlangenlinien wird immer schlimmer. Während ich noch überlege, ob das an ihrem kleinen Gehirn liegt, triftet sie immer mehr nach rechts ab und ich bekomme Angst, dass sie vom Weg abkommt und eine Hopfenranke herunter reisst. Gerade noch rechtzeitig reisse ich am linken Zügel und wir schrappen haarscharf an einer Ranke vorbei und Clara ist wieder Richtung Fahrweg unterwegs. Ich drehe mich um, um von Sepp ein Lob zu erhaschen, dafür wie gut ich die Situation gemeistert habe. Aber der fuchtelt nur mit den Händen und brüllt etwas, was ich aber nicht verstehe. Als ich wieder nach vorne schaue, hat Clara den Weg schon beinahe überquert und ist auf dem Weg mitten in den Hopfengarten. Noch bevor ich reagieren kann liegt schon der erste Ranken am Boden. Ich will Clara wieder auf den Weg zurück bringen aber aus lauter Aufregung ziehe ich zuerst am falschen Zügel und so muss ich noch einen größeren Bogen durch den Hopfengarten fahren bis wir wieder auf dem Weg sind. Aber Clara hatnichts gelernt aus dem ganzen Chaos, dass sie angerichtet hat. Sie ist schon wieder auf dem Weg in die andere Seite des Hopfengarten. Ich ziehe wie verrückt an beiden Zügeln und gerade noch rechtzeitig bringe ich Clara dazu zu halten, bevor man sich die Hopfenernte auch auf der rechten Seite hätte sparen können. Sepp kommt angerannt und ist ganz sprachlos über die Schneise die Clara und ich hinterlassen haben. „Was hast Du den vorhin geschrien“ frage ich ihn. „Du Idiot“ schreit er genau so laut wie vorhin, obwohl ich jetzt ganz nahe bei ihm stehe und ihn gut verstehen kann. „Da fragt man sich, wer hier der Idiot ist, wenn Du mir ein Ross gibst, dass nicht mal gerade aus laufen kann.“ Darauf fiel Sepp nichts mehr ein und er war ruhig. Das mit dem Planwagen haben wir dann gelassen. War eh eine blöde Idee. Ich glaube, jetzt bin ich ein wenig abgeschweift. In der Schule würde das wieder einen Fünfer geben, mit der Bemerkung „Thema verfehlt!!!!!!!“. Vielleicht kann ich ja noch einen Vierer daraus machen, wenn ich das richtige Thema wieder aufgreife. Vielleicht wollt Ihr ja noch wissen, weshalb wir uns um Gottes Willen, in so ein Abenteuer stürzten. Edda hat mir später gebeichtet, dass das für sie bisher der gefährlichste Teil unserer Reise war. Wir befinden uns in einem Gebiet wo sie früher das grüne Gold geerntet haben aus dem dann Sisal gemacht wurde. In dem Wagen, in dem wir sitzen und von La Paloma gezogen, über die holprigen Gleise fliegen, wurde früher die Algaven transportiert aus denen dann das Sisal gemacht wurde. Aber der Grund warum wir so halsbrecherisch über die Gleise jagen sind die Cenoten. Das sind heiße Löcher mit Wasser drin. Na ja, es sind schöne heisse Tropfsteinhöhlen mit türkisblauem Wasser in dem man schön baden kann und die halsbrecherische Fahrt auf jeden Fall wert ist. Auf dem Rückweg habe ich mich dann auf den Bock neben unserem Kutscher gesetzt. Von dort hatte ich La Paloma besser unter Kontrolle, was auch Edda ein wenig beruhigt hat.









—-- Artikel wurde von Helmut Tanner erstellt

Dienstag, 13. Januar 2015

Mehr als Mystik

Ein kaum hörbares knacken, die Henne flattert noch ein letztes mal mit ihren Flügeln und dann ist das Leben aus ihr gewichen. Mit der Seele der Henne ist hoffentlich auch die Krankheit, die sie gerade von einer alten Indiofrau übernommen hat, gegangen. Wenn das nicht geklappt hat, wird vielleicht einer der vielen Heiligen die ringsum in den Kirchensaal aufgestellt, sind zur Rechenschaft gezogen und kurzer Hand einen Kopf kürzer gemacht. Die Indios sind nicht zimperlich mit Ihren Heiligen, wenn sie eine Bitte nicht erfüllen. Selten habe ich Mystischeres erlebt. 

Beim betreten der Kirche wurden wir von den Wärtern belehrt, dass in der Kirche das Fotografieren strengstens verboten ist. Beinahe hätte ich wieder umgedreht mit dem Gedanken „die spinnen die Indios“ aber dann öffnete sich das Kirchenportal und ich stand wie versteinert, mit weit aufgerissenen Augen und konnte nicht fassen, was ich sah.
Die ganze Kirche war erleuchtet von tausenden und abertausenden Kerzen. Dicke Weihrauchschwaden waberten durch das Kirchenschiff, Kirchenbänke gab es keine, dafür war der Boden dick mit langen grünen Kiefernadel Teppich bedeckt, worauf die Indigena-Familien Andacht hielten und Cola tranken. Die Kirche war bis zum zerbersten gefüllt. Die Kirchenmusik, das Gemurmel der Indios, das Licht der Kerzen und der Weihrauch erzeugten eine Stimmung wie aus der Unterwelt. Langsam und mit äußerster Vorsicht stiegen wir hinab in die Unterwelt. Niemand schien von uns Notiz zu nehmen, auch als wir uns durch die am Boden sitzenden Familien schlängelten. Die Männer waren mit dicken schwarzen fellähnlichen  wollenen Umhängen und hellen Strohhüten bekleidet. Die Frauchen trugen das „Fell“ als Rock, welcher von einer breiten bunten Schärpe gehalten wurde. Eine bunte Bluse mit einem bauen Schal kleidete den oberen Bereich. Auf dem Kopf trugen sie bunte gefaltete Tücher. Die Kleinkinder waren mit Tüchern auf den Rücken der Frauen gebunden und die grösseren Kinder waren wie die Erwachsenen gekleidet. Die Familien sassen immer in einem Halbkreis zusammen, zündeten Kerzen an, löschten sie wieder mit Wasser, zündeten sie wieder an und beteten dabei laut. Zwischendurch machte die Cola-Flasche die Runde. Wenn die Flammen der Kerzen am Boden erlöschten schwellten die Gebete immer an. Dazwischen immer wieder laute Schreie und einige Männer füllen mit ihre großen Weihrauchkübeln das Kirchenschiff mit einem schweren Duft, der einem das Atmen schwer macht. Barbara unsere Schweizer Freundin aus Solothurn macht mich auf die Hühner aufmerksam. Während wir noch rätseln wofür die Hühner da sind, vielleicht werden sie geweiht, resümieren wir, geschieht etwas, was wir kaum glauben können. Eine der Frauen aus einer Indiogruppe betet immer lauter, wippt mit ihrem Oberkörper immer heftiger und versetzt sich in eine Trance, dann packt sie das Huhn an den Flügeln, springt auf und streift mit rhythmischen Bewegungen das Huhn über kopf und Körper einer anderen Frau. Urplötzlich hört sie auf und bricht dem Huhn, mit einer gekonnten Bewegung, den Hals. Verunsichert und gleichzeitig fasziniert drehe ich mich um, eine Bestätigung suchend, ob das sonst auch noch jemand gesehen hat. Niemand schien von dem Unglaublichen, was wir gerade erlebt haben, Notiz zu nehmen. Der Grund, rings um uns lief das gleiche Ritual ab. Der einzige Unterschied: bei dem Ritual an den Männern wurden Hähne geopfert. Ich denke mal, die katholische Kirche hat es hier nicht leicht. Bei den Heiligenfiguren ist mir aufgefallen, dass sie zum Teil arg mitgenommen aussehen. Die Nachfrage bei den Wärtern brachte die Erklärung. Die Gläubigen erbitte oft etwas von den Heiligen und wenn dann der Wunsch nicht erfüllt wird, ergeht es dem Heiligen manchmal eben nicht so gut. Die Indios sind eben nicht zimperlich mit ihren Heiligen und machmal geht es ihnen eben wie den Hühnern. Barbara und ich nehmen die Einladung zu einem großen Glas Mezcal von den Restauratoren, die in einem Seitengang gerade den Heiligen San Sebastian wieder herstellen gerne an.


Wir sind in San Juan Chamula ca. 15km nördlich von San Cristobal.


Freitag, 9. Januar 2015

Goa auf Mexikanisch, die Menschen jung, schön, nackt oder mit bunter, wehender Baumwolle bekleidet.

Playa Zipolite, 31.12.2014, 18:00 Uhr
Die Menschen, jung, schön, nackt, mit knappen Bikinis, oder mit bunter, wehender Baumwolle bekleidet, die den Strand der Bucht säumen, die links und rechts durch Felsen begrenzt ist, verabschieden die Sonne des letzten Tages in diesem Jahr mit einem überbordenden Applaus als der Feuerball im Meer versunken ist und den Horizont in warme orangene Töne verwandelt. Das Meer schimmert silbern, der Himmel ist noch blau und der Abendstern funkelt wie ein Diamant über den beiden Felsen die steil aus dem Meer ragen und die Bucht begrenzen. Der Wind legt sich schlafen und langsam schwängert sich die Luft mit dem Duft von Cannabis, verströmt von den Joints die entlang der gesamten Bucht angefacht werden. Die Party kann beginnen.

Weil es an den karibischen Stränden im Yucatan noch regnet, haben wir uns entschlossen an die Pazifik-Küste zu fahren.  Wir kamen spät an am 29.12.2014 in Porto Angel an der Playa Zipolite. Und wenn die Sonne nicht schon untergegangen wäre, wären wir weiter gefahren. Der Platz unter den Cabanas die auf Stelzen stehen, war voll mit kleinen bunten Kuppelzelten, solchen die man für 20 Euro in jedem Kaufhaus bekommt und wir fanden mit unserem Auto nur noch mühsam einen Platz für die Nacht. Eigentlich wollten wir am nächsten Tag weiter fahren aber am nächsten Morgen sah alles ganz anders aus. Die meisten Autos auf dem Platz waren verschwunden. Die Bucht war ein Traum. Feiner Sandstrand, links und rechts durch Felsformationen begrenzt. Teils mit kleinen Häusern die sich an die Felsen anschmiegen und mit Palmdächern bedeckt sind. Der Pazifik türkisblau, 28°C warm und nicht zu hohe Wellen. Der Strand wird gegen Land von bunt bemalte Holzhütten, die auf Stelzen stehen und Palmen begrenzt. Dazwischen immer wieder kleine Restaurants und Bars. Ebenfalls bunte Holzhütten und mit Palmwedel bedeckte Dächer die gestreiften Schatten für die Gäste spenden. Die „Bewohner“, jung, hübsch, sexy, voller Energie und Hormonen aber nicht ganz so international wie an den vergleichbaren Stränden in Goa. Die Mehrheit sind Mexikaner aber auch Südamerikaner aus Kolumbien und Argentinien und Kanadier vor allem aus Quebec. Nur selten trifft man auf Amerikaner und Europäer. Für unseren Camper mit unserem neuen Vordach fanden wir einen schönen Platz und damit war unsere Entscheidung weiter zu fahren revidiert. Da wir den Strand noch nicht so ausgiebig genießen konnten wie wir gerne gewollt hätten, wir waren ja noch gebleicht vom Sommer in Deutschland, haben wir es uns unter unserem neuen Schattendach gemütlich gemacht. Die Gemütlichkeit wich aber bald dem großen Erstaunen. Obwohl die schattigen Flächen unter den Hütten, die den Strand säumen schon voll von den bunten Kuppelzelten waren, kamen ständig neue junge Leute mit ihrem Rucksack und quetschten Ihr Zelt noch irgendwo dazwischen. Dutzende kamen noch an diesem Tag und am nächsten Tag noch mehr. Alle wollten bei der Silvesterfete dabei sein und das neue Jahr an dieser wunderschönen Beach begrüßen. Fasziniert beobachten wir das Schauspiel. Zwischen all den jungen Leuten, angesteckt von deren Fröhlichkeit und Unbekümmertheit tauchten alte Erinnerungen auf und wir fühlten uns 40 Jahre jünger. Das Gefühl der Zugehörigkeit wich aber abrupt einer Melancholie, bei mir mehr als bei Edda, als wir begriffen hatten,  dass wir im Grunde ja nur noch Zuschauer sind. Wie kann man schlimmer aus einem Traum in der Wirklichkeit landen als wenn dich zwei junge hübsche Mädchen, mit vielleicht 18 Jahren, begeistert nach deinem Auto und deiner Reise ausfragen, du mit eingezogenem Bauch, lässig und cool, bereitwillig alle Fragen beantwortest und sie sich zum Schluss, freundlich lächelnd mit der Bemerkung verabschieden, „wenn wir mal alt sind wollen wir das auch machen“. Wum, da springt der Bauch von alleine wieder raus. 
Ich habe mir dann eine Davidoff, die ich vom Flieger mitgebracht habe, angezündet, dann war die Welt wieder in Ordnung. Zuschauen ist ja auch ganz schön.

Silvester bis Neujahr
Langsam vermischt sich der Canabis-Duft mit dem von gebratenem Fisch, die auf den Grills der Strandrestaurants auf die Gäste warten. Wir ergattern noch einen schönen Platz in unserem Stammrestaurant und der Fisch ist frisch und lecker wie die beiden Tage zuvor. Eine kühle Flasche Sauvignon Blanc dazu und die Welt könnte schöner nicht sein.
Eine Feuerstelle nach der anderen, die den ganzen Tag zu großen Scheiterhaufen aufgetürmt wurden, wird angezündet und bald ist die ganze Buch in rotes loderndes Licht gehüllt. Die riesigen Boxen, die entlang des Strandes aufgestellt wurden brüllen unermüdlich ihr WUM WUM WUM WUM WUM..... nur gelegentlich zerrissen von einem ohrenbetäubenden Knall eines zu früh explodierenden Krachers. Während der Zeiger der Uhr unbeirrt Richtung Norden lief, füllte sich der Strand immer mehr, bis nur noch eine Welle von menschlichen Körpern, die im Rhythmus des WUM WUM WUM über den Strand gleitet. Um Mitternacht als das Gejohle verstummt, Jeder und Jede umarmt und geküsst war wurden hunderte Feuerballon angezündet und in den tiefschwarzen Himmel entlassen. Die Feuerwerker versuchten die rot glühenden Ballons mit ihren Raketen abzuschiessen, was freilich nur selten gelang. Ein faszinierendes und zugleich wunderschönes Schauspiel. Nur ein wenig getrübt von den vielen Böllern die immer in die Mengen geworfen wurden und einen immer wieder zu einem Sprung aus der Gefahrenzone nötigten.
Irgend wann wurden wir daran erinnert, dass wir keine zwanzig mehr sind und in unserem Alter auch ein wenig Schlaf nötig hätten, woran allerdings nicht zu denken war. Dafür waren die Boxen die ohne Pausen
Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum .............................
zwischendurch unterbrochen von einem 
Bum-Bum-Bum 
dann wieder 
Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum Wum ................................
brüllten, einfach zu groß und zu viele.
Schlafen wir eben Morgen dachten wir. Aber wir hatten nicht mit der Energie der jungen Leute gerechnet, die durch Kaffee, Alkohol und was es sonst noch gab unterstützt wurde. Die Feier dauerte bis in den Abend und endlich die letzten WUM WUM´s verstummten.
Selig schlafen auch wir ein.

Inzwischen sind die meisten Zelte abgebrochen, ich habe meine Hängematte im Schatten unter einer Cabana aufgespannt und während ich leicht schaukelnd diesen Bericht schreibe, segelt eine Gruppe von Pelikanen, wie Perlen auf einer Schnurr gereiht, nur wenige Zentimeter über einen Wellenkamm.


Ein gutes, erlebnis- und erfolgreiches neues Jahr Euch allen zu Hause und unterwegs.

Freitag, 26. Dezember 2014

Weihnachten oder Karfreitag?


24.12.2014, 22:30 und wir sind gerichtet für die grosse Prozession zur Mitternachts-Christmette in Santa Maria el Tule. Ein kleines Dorf, einige Kilometer südlich von Oaxaca. Edda packt noch zwei Gläser ein, weil wir von unserem Kanadischen Gastgeber, der vor drei Jahren hier hängen geblieben ist und seit her die Overlander Oasis betreibt, den Tip bekamen, unterwegs würde es einen Punsch geben aber keine Gläser. Unsere Freunde aus Quebec, ebenfalls Gäste auf dem Camp, die sich ebenfalls der Prozession anschließen wollten, warteten schon auf uns. Die Prozession sollte nur einige Strassenblöcke von unserer Overlander Oasis entfernt starten. Als wir die unbeleuchtete Strasse entlang gingen bemerkte ich nach einigen Minuten, dass unser Weggefährte stark humpelte und mit unserem Tempo kaum mit halten konnte. „Warum humpelst Du?“ „Scheiss Gicht am grossen Zeh“ Tut´s sehr weh?“ „Ja, ich habe zu viele Shrimps gegessen“. Gott sei Dank hatte ich meine Laufstöcke dabei, die ich wegen meiner Hüft-OP immer noch für längere Wege benutze. Ich kann mittlerweile ganz gut ohne Stöcke laufen, aber zur Sicherheit habe ich einen behalten. Auch ein Stock brachte meinem Weggefährten starke Erleichterung und wir kamen gut voran. Wir sollten am Ende der Strasse rechts und dann links abbiegen und dann würden wir die Musik schon hören und ihr bis zum Startplatz der Prozession folgen. Wir haben getan, wie uns geheißen wurde, aber Musik war keine zu hören. Überhaupt war ausser uns niemand auf der Strasse. Wir sind noch mindestens eine halbe Stunde, einige dunkle Strassen abgelaufen, mal links mal rechts abgebogen, bis wir auf eine mit Girlanden und Lichtern geschmückte Strasse getroffen sind. Mein hinkender Freund war sichtlich erleichtert, ob schon wir noch nicht da, aber offensichtlich doch in der Nähe waren. Am Ende der Strasse Richtung Stadt auswärts hörten wir Kindergelächter. In der Erwartung, dass wir dort unsere mitgebrachten Gläser mit Punsch füllen konnten, hat sich unsere kleine Prozession mit zwei Stockträgern in Richtung des Kindergelächters in Bewegung gesetzt. Wir hatten richtig gehört. Am Ende der Strasse tollten schreiende und lachende Kinder auf der Strasse. Von den Gläubigen, deren Prozession wir uns anschliessen wollten fehlte jede Spur, geschweige den von unserem Punsch Stand, wo wir hofften unsere Gläser füllen zu können. Ratlos warteten wir eine viertel Stunde auf die restlichen Prozessionsteilnehmer. Vergebens und langsam dämmerte uns, es bleibt bei unserer kanadisch-deutschen Viererprozession. Der Zeh von Ed hatte sich in der Zwischenzeit etwas beruhigt, so dass er sich stark genug für den Weg zur Kirche fühlte. Nach einer weiteren halben Stunde schleppte sich Ed auf den Kirchplatz. Die Kirche war verschlossen und der Kirchplatz mit seinem 2500 Jahre alten Baum in der Mitte war menschenleer. Obwohl mir die Comic des ganze Unterfangens immer mehr Spass machte, hat mir Ed echt leid getan, denn wir hatten ja nicht Karfreitag und Ed war kein Pilger der seine Sünden ablaufen musste, glaube ich zu mindestens. Aber so richtige Weihnachtsstimmung kam auch nicht auf. Edda und Elli haben noch an die Kirchenpforte gepocht. „Lasst uns rein“ während wir beiden Stockträger uns auf einer Bank ausgeruht haben. Also  entweder waren wir am komplett falschen Ort, oder Weihnachten ist dieses Jahr ausgefallen. Genau lies sich das auch am nächsten Morgen nicht klären. Unsere Gastgeber von der Overlander Oasis liessen sich aber von unserem Erlebnis in ihrer kanadischen Tradition nicht beirren. Schon Morgens war sie mit einem frisch gebackenen Zimthefekuchen (er hatte eine ähnliche Konsistenz wie Dampfnudeln) unterwegs und jeder durfte sich davon ein Stück abbrechen. Hat sehr lecker geschmeckt und ich hätte mir gerne ein zweites Stück runter gebrochen, aber sie kam kein zweites mal mit dem Kuchen vorbei. Mittags schoben sie den traditionellen Weihnachtstruthahn in die Backofen. Wir Gäste aus Quebec, Arizona, Neuseeland, und Deutschland steuerten die Beilagen bei. 
Und so verbrachten wir einen schönen Weihnachtsabend unter Freunden, wenn auch mit dem leichten Zweifel, ob wirklich Weihnachten ist. 

Wen es interessiert, meine Beilagen bestanden aus: 

  • mit Käse und Semmelbrösel überbackenen Blumenkohl aus meinem neuen Backofen
  • glasierten Karotten
  • Cus Cus mit Backpflaumen und gerösteten Nüssen gewürzt mit in Curry-Butter geschmorten Zwiebeln- und Karottenwürfelchen. Die Zusammensetzung des Curry-Pulvers darf ich nicht verraten, dass ist Hungs Geheimnis.

Dienstag, 23. Dezember 2014

Freitag, 19. Dezember 2014

Pfannkuchen für Edda!?!?!?

Edda wünschte sich Pfannkuchen mit Nutella und natürlich machte ich mich gleich an den Teig. Nathan, der kleine Junge unserer Nachbarn aus Quebec rückte mir nicht mehr von der Seite als er mitbekommen hat, dass es bald Crepes gibt, wie die in Quebec zu unseren Pfannkuchen sagen. Als er dann auch noch den Teig rühren durfte war die Freundschaft perfekt. Natürlich war der erste Pfannkuchen, dick mit Nutella bestrichen, für Nathan reserviert. Edda hat sich auch darüber gefreut, wie Nathan den gefüllten Pfannkuchen wegputzt und sie sich schon auf den nächsten gefreut. Allerdings hat sie die Rechnung ohne Rosalie, Juliette und William, die Geschwister von Nathan gemacht. Denn, natürlich hat Nathan den letzten Rest seiner Beute stolz zu Hause vorgeführt um seine Geschwister neidisch zu machen. Kurz bevor Edda´s Pfannkuchen fertig war erschien Nathan im Schlepptau seiner drei Geschwister wieder. Es kam, wie es kommen musste, Edda musste zwei Stunden auf ihren Pfannkuchen warten, aber sie durfte jede Menge Pfannkuchen mit Nutella und Marmelade bestreichen und sich gelegentlich die Finger ablecken. Den letzten Rest Nutella hat sie aber für sich in Sicherheit gebracht. Irgendwie erinnerte mich die Geschichte an eine ähnliche Situation zu Hause.