Montag, 3. März 2014

Beim Schweizer Charly

„Da müsst Ihr unbedingt zum Essen hin gehen“ schwärmte Peter nach ein paar Bieren am Lagerfeuer, an einem Strand auf der Baja California. So richtig ins schwärmen kommt Peter als er die Speisekarte von Charly rauf und runter betet, als ob er einen Bibelvers rezitiert. Als es immer bunter wurde und er von der grätenlose Forelle zu schwärmen beginnt schieben wir das auf die vielen Biere die Peter schon getrunken hat. Trotzdem, er hat uns den Mund so wässrig gemacht, dass wir wissen wollen, wo denn der Charly aus der Schweiz zu finden ist. „Auf dem Festland im Hochland gleich hinter Guadalajara in Santa Elena - aber das ist nicht leicht zu finden“ beantwortet Peter unsere Frage. „Hast Du die genaue Adresse.“ „Ich gebe Euch morgen früh die GPS Daten.“

Als wir, mit Peters GPS-Daten als Ziel -Santa Elena haben wir nicht auf der Karte gefunden- immer weiter in die Pampa kommen, schwindet unsere Vorfreude auf ein tolles Essen beim Schweizer Charly. Wir können uns nicht vorstellen, das ein Schweizer hier im Nirgendwo ein Gourmand Restaurant betreibt und wir beginnen Witze zu machen über Peter´s Trinkfestigkeit. Trotzdem, die letzten 20 km fahren wir noch. Als unser GPS die nähe des Zieles ankündigt, erscheint auf der rechten Strassenseite tatsächlich ein großes Schild mit einem Schweizer Kreuz und darauf steht Charly´s Gourmand Restaurant und ein Pfeil zeigt nach rechts. Ich setzte den Blinker und unsere Mundwinkel gehen nach Norden. Als wir die Feldwege entlang hoppeln steigt die Spannung weil wir wissen wollen, was das für ein Schweizer ist, der hier, praktisch in der Wildnis ein Restaurant betreibt und welche Gäste er bewirtet. Noch einen Berg hoch und Charly´s Restaurant taucht wie eine Fata Morgana vor uns auf. Restaurant ist vielleicht auch nicht der richtige Ausdruck. Man könnte es eher als eine kleine Feriensiedlung bezeichnen. Terrassenförmig angelegt mit einigen gelb-braun-leuchtenden Häusern, Mosaikterrassen und einem Swimmingpool. Alles wunderschön mit Sträuchern, Palmen, Kakteen, Bäumen und Blumen eingewachsen. Ein kleines Paradies. Das Restaurant ist von Mittwoch bis Sonntag geöffnet steht da auf einem Schild und heute ist Dienstag. Unsere Mundwinkel gehen wieder Richtung Süden. Auf der unteren Terrasse hören wir aber Stimmen, denen wir folgen. Kaum in Sichtweite werden wir an den Tisch gerufen. Bis wir den Tisch erreichen stehen schon zwei kalte Bier für uns bereit und wir werden von Charly´s Familie aufgenommen, als ob wir schon immer zur Familie gehören. „Habt Ihr Hunger“ fragt Charl´y noch bevor wir recht sitzen. „Ja, großen“ „Meine Frau macht gerade Tacos, wenn Ihr wollt, dann könnt Ihr mit essen“ Das alles bevor wir richtig sassen und uns vorgestellt hatten und natürlich wollten wir. Eigentlich wollten wir ja nur zum Essen kommen, aber geblieben sind wir drei Tage und Edda hat ihr Heimweh vergessen. Charly ist ein echter Künstler. Er serviert dir eine Forelle im Ganzen, aber ohne Gräten und er grillt dir ein Steak, dass du dein Leben lang nicht mehr vergisst und das Kartoffelgratin ist der Wahnsinn.  Natürlich bekommst du auch ein Zürcher Geschnetzeltes mit Rösti oder eine Olma Bratwurst, wie du sie in der ganzen Schweiz nicht bekommst. Ich kann Euch jetzt nicht die ganze Speisekarte beschreiben, da müsst Ihr schon selbst her kommen. Um mich für das lecker Essen zu revanchieren habe ich für unsere neuen Freunde Saure Linsen mit Spätzle und Wienerle gekocht. Hat Spass gemacht, wieder mal in einer richtigen Küche zu kochen.
Ausser Charly und seiner Familie gab es da noch Edi, ein Schweizer, der schon seit 15 Jahren den Winter bei Charly verbringt und Klaus aus Kärnten, der aber schon seit 15 Jahren in Mexiko lebt und dort sehr erfolgreich eine Solarfirma betreibt. Er hat gerade bei Charly eine Photovoltaikanlage  montiert. Natürlich gab es da noch die anderen Gäste aber die gehörten nicht zur Familie. Wir haben drei herrlich weinselige Abende verbracht und die Freundschaft zwischen Mexiko, der Schweiz, Österreich und Deutschland vertieft. 
v.l.n.r. Helmut, Edi, Charly, Klaus

Klaus hat sich unseren Rädern angenommen, die er mit der Spedition nach Deutschland schickt, weil die Fluggesellschaften keine eBikes mehr transportieren. Dafür bringen wir ihm im Herbst einen Hammer und Gailtaler Speck mit. So sind Freunde halt.

Die Adresse von Charly:  

http://www.charlys-bungalows.com

N20.46488° W102.49676° 

Wenn Euer GPS meldet, dass ihr da seid, einfach weiter fahren und dann im Dorf fragen wo es zu Charly hoch geht

Donnerstag, 9. Januar 2014

Gerüstet für die Fussball WM

Lateinamerika und Fussball, da müssen wir als Deutsche schon zeigen wie der Champion aussehen wird. ;)



—-- Artikel wurde von Helmut Tanner erstellt

Position:Las Flores Dr,Chula Vista,Vereinigte Staaten

Mittwoch, 8. Januar 2014

Easy Drive USA


Im Laufe der Monate haben wir uns an das einfache Reisen in den USA gewöhnt. Wir haben uns daran gewöhnt, dass uns alles gesagt wird was wir tun sollen. Den ganzen Tag sagt mir mein Navi, wohin ich fahren soll, wo es besonders schön ist, wie schnell ich fahren darf, wo wir etwas zu essen bekommen, wo wir einkaufen können, wo wir tanken müssen und wo wir übernachten. Wir bekommen immer und überall einen Parkplatz, auch in den Innenstädten. Die Strassen sind frei und was ein Stau ist haben wir schon vergessen. An Baustellen werden wir mit Pilot Cars vorbei geleitet, dass sind Baustellen-Autos mit einem Schild hinten dran „follow me“ die voraus fahren, damit wir keine Bauarbeiter überfahren. Gelegentlich gibt es keine Pilot-Cars, dann steht auf einem Schild „bitte keine Bauarbeiter umfahren“ und wenn man es doch tut, steht auch gleich die zu erwartende Strafe darauf : „$10.000 Strafe pro Strassenarbeiter“.  Dafür, dass die Verschmutzung der Strasse -z.B. Mac Donald-Tüte aus dem Fenster werfen- $ 2000 Strafe kostet, finde ich einen umgenieteten Bauarbeiter recht billig. Überhaupt haben die Amerikaner wenige Verkehrsschilder deren Sinn man erst in einer Fahrschule lernen muss. Die schreiben auf ihre Schilder einfach drauf was zu tun bzw. nicht zu tun ist. So brauchen die Amerikaner und natürlich auch wir nicht zu lernen, was ein Parkverbotsschild ist.  Die schreiben nicht mal drauf, dass man hier nicht parken darf, nein da steht „Bitte Parken sie wo anders“, meisten schreiben sie auch noch drauf wo man parken soll. Z.B. auf der anderen Strassenseite. Oder „wenn sie sich auf der Abbiegespur befinden, müssen sie abbiegen“ oder „die nächsten 5 Meilen dürfen sie nicht jagen“ da wissen wir allerdings nicht immer, ob wir uns die uns die nächsten 5 Meilen sicher oder den Rest des Tages unsicher fühlen sollen. Überholverbotsschilder sind unbekannt, da steht einfach drauf „überholen sie nicht bei Gegenverkehr“ oder schlich „nicht überholen“ oder „seien sie bereit um jederzeit zu stoppen“. Wenn man verkehrt in eine Einbahnstraße fährt kommt irgend wann ein Schild auf dem steht „der falsche Weg“ da weiss man doch Bescheid, oder. Manchmal kommen die Schilder sehr schnell und unvermutet und bevor man sie lesen kann ist man vorbei. Einmal konnte ich ein Schild nicht lesen, da habe ich angehalten und bin rückwärts zum Schild gefahren, da stand dann drauf „das Rückwärtsfahren ist hier verboten“  Der Klartext auf den Verkehrsschilder erspart den Amerikanern doch glatt die Fahrschule.
Früher, damit meine ich den Anfang unserer Reise habe ich mich immer wieder mal gegen die ganze Bevormundung aufgelehnt, nicht dass ich gleich die Strassenarbeiter umgefahren hätte, auch ans Jagdverbot habe ich mich gehalten aber ein Gutsle-Papier habe ich schon mal aus dem Fenster geworfen und der Dame im Navi hab ich schon manchmal gezeigt wer der Chef ist. Da bin ich einfach mal rechts abgebogen, obwohl sie geradeaus gesagt hat. Da gab es mit Edda Ärger, aber das war mir egal, ein wenig Freiheit muss man sich bewahren. Heute, nach sechs Monaten durch die USA, geniessen wir das Easy Drive, wir rollen so dahin, tun was man uns sagt und glauben wir sind frei. 
Aber jetzt rollen wir nach Mexiko. Fast neige ich zu sagen, Gott sei Dank ist unser Spanisch so schlecht, dass wir die Schilder nicht verstehen, wenn es den welche gibt.
Wir sehen uns in Mexiko.

30.000 km durch den Nordamerikanischen Kontinent


San Diego ist unsere letzte Station in den USA, bevor wir die nächsten Tage nach Mexiko weiter reisen und ein neuer Abschnitt unserer Reise beginnt. Zeit für einen kurzen Abriss unser bisherigen Tour.

Reiseverlauf
Über Kanada und Alaska habe ich ja schon ein wenig geschrieben, zudem liegt es auch schon so weit zurück und so olle Kamellen interessieren eh keinen mehr.
Unsere Reise durch die USA hat in Spokane im State Washington begonnen. Wir haben dort Andreas, den Sohn unserer Nachbarn besucht. Geplant war eigentlich, dass wir die Touristen Route im Westen Richtung Süden fahren und uns die Naturschönheiten im Westen ansehen. Kurzfristig und das ist eines was ich am Reisen so liebe, haben wir die Richtung gewechselt und sind Richtung Südosten gefahren mit der Absicht die Staaten diagonal zu durchreisen, praktisch durch das Herz der USA.

Über Idaho ging es durch Montana und man spürt deren Motto „ leben und leben lassen“ und wir spüren, dass wir in in den Staaten angekommen sind. Im Yellowstone Park in Wyoming hatten wir noch eine alte Schuld zu begleichen, siehe Alte Schuld, wir waren bei den Cowboys angekommen, wir haben die ersten Abende in Saloons mit Countrymusik verbracht und wir wurden in Buffalo vom Winter überrascht. Auf den Weiden sahen wir viele erfrorene Kühe und Kälber, die offensichtlich wie wir vom Schnee überrascht wurden. Wir waren auch froh an unserem Navi, da die Verkehrsschilder in Wyoming zerschossen sind. In South Dakota haben wir die amerikanische Finanzmisere zu spüren bekommen, weil die Nationalparks mangels Masse geschlossen waren, Mount Rushmore und die Badlands konnten wir quasi nur von weitem betrachten. Die unendlichen Weiten von Nebraska haben wir auf kleinen Nebenstrassen durchfahren. Der unendliche Horizont und die nicht enden wollenden Getreidefelder lassen den Puls beinahe zum Stillstand kommen. Aber wir haben es sehr genossen. Auch die kleinen Orte, die noch die Geschichte der USA erzählen sind es wert besucht zu werden. Weiter durch goldgelbe Getreidefelder und die hügelige Landschaft in Kansas bis zu der vornehmen Stadt Kansas City. Berühmt für seine BBQ´s und wir haben uns bei dessen Genuss nicht lumpen lassen. Schon wegen einem Burnt Ends (Schweinerippe) bei Oklahoma Joe´s muss man Kansas City besuchen. Hier kann man erwachsene Männer vor vergnügen quitschen hören.  Ein besseres Rip gibt es nirgends auf der Welt, vielleicht im Himmel, aber da war ich noch nicht. Das Gebiet zwischen Kansas City und Saint Louis in Missouri ist eine Gegend zum Auswandern und wir nähern uns langsam den Südstaaten. Saint Louis darf man auf keinen Fall verlassen, ohne das Frozen Custard (cremiges Eiereis) an der Route 66 zu kosten. Die Toasted Ravioli (in Paniermehl gewendete und dann frittierte Ravioli) bei deren bloßen Erwähnung jeder Saint Louisener die Augen verdreht, kann man essen, aber eine Offenbarung sind sie nicht, dafür machen die hauchdünnen Pizzas im Stil von Saint Louis, süchtig. Bevor wir Saint Louis verlassen, fahren wir noch bei The Hill (winziges italienisches Viertel) vorbei, schlagen uns noch den Bauch voll in einem der ausgezeichneten italienischen Restaurants und füllen in einem der italienischen Geschäfte unseren Kühlschrank mit italienischen Spezialitäten, lecker. Zu Nashville in Tennessee brauche ich nichts mehr zu sagen, siehe Nashville. In Nashville beginnen für uns tolle Wochen in den Südstaaten. Die Musik, das Essen, die Städte, die Dörfer, die Häuser, die Landschaft und die Freundlichkeit der Südstaatler - zum Verlieben. Über Jackson erreichen wir Memphis, ich allerdings mit einem gebrochenen Ellenbogen, siehe Ellenbogen. Memphis, die Stadt des Rock´n Roll und die Heimstätte des King of Rock´n Roll Elvis Presley hat es besonders Edda angetan. Es war schon imponierend, mal zu sehen, was dieser Mensch in seinem relativ kurzen Leben so alles getrieben hat. In den Kneipen gibt es Blues und Rock´n Roll auf die Ohren und den Magen füllen wir uns mit göttlichen Fried Chicken. Am Sonntag sind wir in unsere besten Hosen geschlüpft und haben die Messe in der Full Gospel Tabernacle Church im Süden der Stadt besucht wo Prediger und Soullegende Al Green einem gewaltigen Gospelchor vorsteht und wir haben uns mit in die Hallelujas eingestimmt. Ein großartiges Erlebnis, auch wenn wir nicht in Trance verfallen sind, wie viele der Kirchgänger und Kirchgängerinnen in ihren schönsten Sonntagsgewändern mit ihren extravaganten Frisuren und prächtigen Hüten. Halleluja.

Die Weiterfahrt entlang des Mississippi, Richtung Süden durchs Delta war ganz und gar geprägt vom Blues der praktisch aus allen Ritzen wabert und wir so langsam anfangen im Rhythmus mit zu schwingen. Wenn man durch die Orte geht, hat man ständig das Gefühl als ob gleich Tante Molly aus einem der Häuser auf der Terrasse erscheint und nach Tom Sawyer ruft weil er mal wieder mit seinem Freund Hack Finn etwas angestellt hat. Im nächsten Haus sitzen ein paar Schwarze auf der Terrasse im Schaukelstuhl, die sich in der lauen Nachmittagssonne mit ihren Gitarren zusammen gefunden haben. Abends finden wir uns in Kneipen wieder, in denen die Bluesmusiker immer noch grooven. Nur die kalten Nächte bewegen uns entlang des Bluestrails weiter Richtung Süden zu ziehen. 
Clarksdale, Cleveland, Greenville, Vicksburg, und Natchez sind weitere Stationen auf dem Bluestrail durchs Delta im Staat Mississippi, bis wir nach Louisiana kommen, quasi zum Höhepunkt unserer Musikreise nach New Orleans. Über New Orleans gibt es dicke Bücher  und tausende Internetseiten und Ihr wisst ja, ich schreibe keinen Reiseführer. Nur so viel, als wir New Orleans nach 10 Tagen wieder verlassen haben, waren wir uns sicher unendlich viel verpasst zu haben, obwohl wir nachts und auch tags bei Gott nicht faul waren. Mit einem kurzen Abstecher in die Sümpfe des Mississippi Deltas verlassen wir Louisiana Richtung Texas und sind glücklich, obschon wir nicht wirklich eingetaucht, aber doch die Geburtsorte der amerikanischen Musik berührt haben. Country, Rock`n Roll, Gospel, Blues, Bluegrass und Jazz haben allesamt ihre Ursprünge hier. Wenn ihr diese Gegend mal besucht, dann bringt viel Zeit mit und seid Euch gewiss, das Viel nicht genug ist.
In Huston Texas ist man dem Mond ein Stücken näher und mit dem Jazz-Rhythmus von New Orleans im Blut macht die Fahrt durch die texanischen Wüsten im Süden richtig Spass. In Texas ist alles noch grösser und mächtiger und bei vielen Texaner haben wir das Gefühl, als ob sie nicht wissen, dass es ausserhalb von Texas auch noch eine Welt gibt. Einmal hat mich einer allen Ernstes gefragt, ob es bei uns in Deutschland auch Strassen gibt. Ich habe das natürlich verneint und ihm erklärt, dass wir die BMW´s, VW´s, Mercedes und Audi´s nur für Texaner bauen. Nach kurzer Überlegung war er mit der Antwort ganz zufrieden. Trotzdem, Texaner sind nett, freundlich und hilfsbereit wie fast alle Amerikaner. Wir verbringen ein paar tolle Tage in der grandiosen Berg- und Wüstenlandschaft am Rio Grande (das ist der Fluss, durch den sich die Schurken in den Wildwestfilmen immer nach Mexiko retten, wenn ihnen der Sheriff auf den Fersen ist) im Big Bend Nationalpark. Wir haben schon seit Wochen wunderbares Wetter am Tag. Nachts ist es immer eiskalt. Unser Auto ist zu klein um die Abende in ihm zu verbringen. In Texas waren wir nahe dran nach Florida zu fahren, unseren Toyota nach Deutschland zu verschiffen und mit einem Sprinter wieder zu kommen. Aber dann sind wir doch weiter Richtung Westen weiter gezogen. Zum einen hatten wir Nina (unsere Nichte, die gerade in San Diego studiert) versprochen, dass wir sie Weihnachten besuchen und zum anderen rückte Mexiko immer näher und damit würden die kalten Abende und Nächte bald der Vergangenheit angehören. Als wir nach den endlosen Fahrten durch die Wüsten von Texas, New Mexico und Arizona kurz vor Heiligabend nach San Diego in Kalifornien kamen wurden wir von dem dort herrschenden Verkehr fasst erschlagen. San Diego ist wunderschön gelegen und wir haben die Fahrten durch die Stadt mit Nina und Gülay (Ninas Freundin) in ihrem offenen Mustang sehr genossen. Schön, wenn man zwei so hübsche Reiseführerinnen hat. Heilig Abend hatten wir im engen Familienkreis geplant. Ich koche in Ninas und Gülay´s Studentenwohnung für die drei Damen: Edda, Nina, Gülay und mit einer Skype-Verbindung nach Hause können wir Weihnachten im Familienkreis verbringen, obwohl wir uns auf zwei verschiedenen Kontinenten befinden. Nina´s und Gülay´s Internetzugang war einigermassen schnell und stabil für unser Vorhaben. Während die Damen mit dem schmücken des Christbaumes und ich mit dem Kochen beschäftigt war, hat es sich in San Diego herum gesprochen, dass der Onkel von Nina Hackbraten mit Kartoffelpüree kocht. So ist die „Familie“ im laufe des Nachmittages immer weiter angewachsen, immer mehr Tische und Stühle wurden angeschleppt und ich war froh, dass wir in Amerika waren, wo die Läden auch an Heilig Abend offen haben, und ich meinen Hackbraten und das Püree immer wieder verlängern konnte. Zum Schluss hat mein Hackbraten für 10 hungrige junge Leute gereicht und wir haben einen schönen Heiligabend zusammen verbracht.

Im Moment sitzen wir an einem wunderschönen See, etwas unterhalb von LA . Edda ist mit dem Neujahrsputz beschäftigt, wir wollen ja den alten Schmutz nicht mit nach Mexiko nehmen und ich schreibe gerade diese Zeilen. Eigentlich sind wir startklar für Mexiko, aber es fällt uns schwer, uns vom Easy Life hier in den Staaten zu verabschieden und so beschließen wir jeden Morgen noch einen Tag länger zu bleiben. Das ist ja auch unser erster Urlaub seit wir im Juni die Reise begonnen haben.
Morgen fahren wir.



Mittwoch, 1. Januar 2014

Das Internet in In den USA, dass gleiche gilt für Kanada


Wir ärgern uns praktisch täglich darüber, auch jetzt am 31.12.2013. Das Internet in Nordamerika. Manche von Euch wissen noch, was ein Akustikkoppler ist. Ihr Anderen könnt ja mal danach googeln, damit Ihr meinen Ärger versteht, denn damit wird, so scheint es in den USA und Kanada das internet übertragen. Afrika hat im Vergleich dazu ein High Speed Netz. Ich sage das den Amerikanern immer wieder, aber geändert hat sich dadurch noch nichts. Naja, vielleicht liegt das an meinem schlechten Englisch. Nicht, dass ich persönlich etwas gegen Mac Donald habe, aber es macht mir auch keinen Spass, immer wieder Stunden dort verbringen zu müssen weil es dort eine halbwegs -die Betonung liegt auf halbwegs- akzeptable Internet Verbindung gibt. Trotzdem danke Herr Mac Donald. Vor einigen Jahren hätte mich das auch noch nicht so gestört, da hatte ich noch kein iPad. Woher kommt dieses geniale Ding jetzt noch mal... Und ich dachte wir sind in Europa übel dran, wenn wir durch unseren Kontinent reisen. Internetmässig meine ich.

Samstag, 21. Dezember 2013

Unser Nachbar ist der Weihnachtsmann.


„Helmut, Helmut schau schnell, da ist der Weihnachtsmann“ rief Edda. Und obwohl ich auf dem Ohr eher ein wenig taub bin, habe ich, weil Edda gar so aufgeregt war, doch durchs Fenster geschaut. Und tatsächlich, unser Nachbar ist der Weihnachtsmann. Ich konnte gerade noch sehen, wie der Weihnachtsmann, gleich neben uns in sein Wohnmobil stieg. Dann gingen alle Lichter an. Um das ganze riesige WoMo leuchteten bunt und grell. Christbäume, Rentiere mit Schlitten, Sterne, Engel, Spazierstöcke, Schneemänner, Trompeten und ich weiß nicht mehr was sonst noch, tauchte wie aus dem Nichts auf. In den hell erleuchteten Fenstern türmten sich schön verpackte Geschenkspäckchen und manche Pakete leuchteten sogar. Schöner hätte es Edda auch nicht machen können und ob Ihr es glaubt oder nicht, ich konnte an diesem Abend vor Aufregung kaum einschlafen. Na ja, vielleicht waren es auch nur die grellen blinkenden Lichter die unseren Toyota ebenfalls hell erleuchteten. Am nächsten Morgen wurde ich mit „Helmut, Helmut, da ist er wieder“ geweckt. Ohne von unseren platt gedrückten Nasen am Fenster Notiz zu nehmen stieg er in seinen weißen Truck, -von wegen Rentiere vor dem Schlitten- startete seine 6 Zylinder und brummte vom Hof.
Nach dem Frühstück schlich ich um das Wohnmobil des Weihnachtsmannes, weil ich hoffte ein wenig über ihn zu erfahren, vor allem woher er kommt. Als ich sein Nummernschild sah haute es mich fast von den Socken. Ein wenig war ich aber doch erleichtert, dass er nicht vom Nordpol, sondern nur von Alaska kommt. Edda habe ich davon nichts erzählt, sie wird jetzt in der Weihnachtszeit eh ein wenig vom Heimweh geplagt und manchmal ist sie auch ein wenig leichtgläubig... Drei Tage kam der Weihnachtsmann Abends nach Hause und verschwand Morgens wieder. Am dritten Abend haben wir in abgepasst und ihn angesprochen „Weihnachtsmann“ keine Regung. Gott sei dank ist mir noch schnell eingefallen, dass die hier Santa Claus heißen. Ich habe also schnell „Santa Claus“ gerufen, worauf er sich zu uns umdrehte und „ho ho ho“ sagte. Das hatte ich nicht erwartet, vor allem weil ich auch nicht wusste ob ich jetzt ebenfalls mit ho ho ho antworten musste. Um nichts falsch zu machen habe ich ihn einfach gefragt, woher er kommt. „Von den Kindern, die ihm ihre Wünsche verraten“ und dann erzählte er welche Wünsche die Kinder heute so haben. Während er so erzählte habe ich ihn mir ganz genau angeschaut. Der sah schon verdammt echt aus. Der weiße Bart, die weißen Haare, die Knollennase, der dicke Bauch, alles hundertprozentig echt. Auch an seiner roten Strampelhose und Zipfelmütze ist nichts auszusetzen, einzig seine Stiefel irritierten mich ein wenig. Er hatte Cowboy Stiefel an. Gut, wir sind in Texas, aber trotzdem... Ich mache Edda darauf aufmerksam, worauf sie meinte, die hätte er vielleicht letztes Jahr zu Weihnachten bekommen. Nachdem der Weihnachtsmann mit seinen Erzählungen fertig war frage ich ihn, ob er sich den die ganzen Wünsche der Kinder merken kann. „Ho ho ho“ gab er zur Antwort. Ob es sich da um eine mir unbekannte Sprache handelt? Vielleicht sollte ich die Weltsprache -bad english- die ich eigentlich ganz gut beherrsche, bei Gelegenheit doch noch mal erweitern. Ein Schnaps erleichtert die Kommunikation, dass habe ich schon in Russland gelernt. Also opferte ich meine Flasche Grappa. Aber mit jedem Glas kam das „ho ho ho“ öfter. Manchmal habe ich es auch verstanden. Das „ho ho ho“ nach einem Schnaps war unmissverständlich. Aber das „ho ho ho“ auf meine Frage, was denn in all den bunten Paketen in seinem RV -so sagen die hier zu ihrem WoMo- ist, habe ich nicht genau verstanden, obwohl die Flasche schon halb leer war. Vermutlich heißt es, dass geht dich nichts an. Aber das ist nur eine Vermutung. Wie es den so in Alaska ist, wo er da wohnt und warum er Weihnachten in Texas verbringt hat er jeweils  mit einem kräftigen „ho ho ho“  beantwortet. Beim Rest der Flasche haben wir uns im Lichte seiner Weihnachtsbeleuchtung gegenseitig zu ho ho ho-tet. Entweder verträgt der Weihnachtsmann mehr als wir normal Sterblichen oder er ist immun gegen Alkohol, denn ich hatte das Gefühl, dass er nach der Flasche Grappa noch stocknüchtern war, während ich... lassen wir das besser. Mir kam der Santa, den Claus habe ich nach er ersten Flaschenhälfte unterschlagen, auf jeden Fall ziemlich echt vor. Nur die Cowboystiefel haben mich irritiert, Texas hin, Texas her. Edda hatte damit weniger Probleme, obwohl sie keinen Schnaps angerührt hat.

Wir wünschen Euch allen ein dreifaches „ho ho ho“
Edda Helmut und der Santa



Freitag, 20. Dezember 2013

Der tägliche Kampf mit dem Finanzamt


Müde von den Jazznächten in New Orleans und mit schmerzenden Beinen von einem Tag im French Quater auf der Suche nach einer Bar für einen Sundowner. Die Bar in die wir geraten sind war eine Schwulenbar. Uns machte das nichts aus, schließlich sind wir aufgeklärte Zeitgenossen. Der Weißwein kühlte unsere Beine und der Barkeeper war jung, hübsch und ein wenig Panki. Er stellte sich uns mit Mason vor und schenkte unseren Weißwein sehr schwungvoll mit einem neckischen Wippen am Schluss ein. Wir waren die einzigen Gäste. Kurze Zeit später erschien der Besitzer der Bar, ja, er erschien. Uns begrüßte er mit einem freundlichen Kopfnicken und Mason küsste er auf beide Wangen, fragte ob alles in Ordnung ist und verschwand in dem winzigen Büro neben der Bar. Die Türe lies er offen, so das wir ihn sehen konnten. Er war so um die 60, braun gebrannt, trug enge Jeans, ein weißes gestärktes Hemd, die oberen Knöpfe aufgeknüpft wie bei einer Frau die ihr Dekolleté zeigen möchte und die schwarzen Haare nach hinten gekämmt. Kurz er machte einen vornehmen schwulen Eindruck.
Der Chef, ich nenne ihn so, weil er sich uns nicht vorgestellt hatte, beschäftigte sich offensichtlich mit der Buchhaltung. Gelegentlich zitierte er Mason zu sich, sie wechselten ein paar Worte dann widmete sich der Barkeeper wieder seinen Gästen, uns. Mason hatte gerade schwungvoll unser zweites Glas Weißwein eingeschenkt, unsere Beine schmerzten immer noch, da kam der Chef mit einem Kassenzettel in der Hand aus seinem Büro und lies sich von Mason einen doppelten Whisky einschenken. Er roch daran, trank den Whisky aber nicht sondern stellte das Glas wieder auf dem Tresen ab, tauchte den Kassenbeleg in den Whisky und zündete ihn an. Kurz bevor er die Finger verbrannte lies er den brennenden Beleg in einen Aschenbecher fallen -ja, in New Orleans darf man in den Kneipen noch rauchen- und war sichtlich zufrieden als die Flamen erloschen und nur noch schwarze Asche übrig war. Er leerte den Aschenbecher in den Mülleimer, dann nahm er den Whisky und trank ihn genüsslich mit einem Schluck leer. Erst jetzt bemerkte er, dass wir ihn bei seinem Ritual beobachteten. Er grinste uns an, zuckte leicht mit den Schultern, drehte sich um und verschwand in sein winziges Büro und widmete sich wieder seiner Buchhaltung. Wie viele Whiskys für seine Buchhaltung noch notwendig waren kann ich leider nicht sagen. Unsere Beine waren nach dem zweiten Glas Wein abgekühlt und wir mussten in unser Hotel, um uns für die nächste Jazznacht frisch zu machen. 
Fast war ich ein wenig traurig, weil unsere Zeche wohl nicht ausreichte um in Whisky getaucht, angezündet und nach der Feuerbestattung mit einem kräftigen Schluck Whisky gewürdigt zu werden. Vermutlich sind wir achtlos zerknüllt im Papierkorb gelandet.