Montag, 16. Januar 2017

Coq au vin nach Gattnauer Art

Vermutlich wurde das Rezept erfunden, als Napoleon durch Gattnau marschierte und dort eine Rast einlegte. Napoleon gelüstete es nach einem Coq au vin. Die Soldaten mit ihren roten Hosen jagten die Gattnauer Mistkratzer quer durchs Dorf, wie das ausgesehen hat, kann man sich ja lebhaft vorstellen. Einer der Rothosen ist bei der Jagt nach einer Henne sogar bäuchlings in den Wäschbach geplumst, so dass die Waschfrauen kreischen davon liefen, obwohl die Franzosen ja sonst in Gattnau beliebt sind. Anderen Soldaten haben auf der Suche nach einem leckeren Rotwein in den Kellern der Bauern nur den sauerer Seewein gefunden. Champions und Charlotten gab es damals in Gattnau natürlich noch nicht. Die Gattnauer wussten zu jener Zeit noch nicht mal, wie man das ausspricht. Eine gescheite Binde Bauchspeck von Hacks Räucherkammer, zwei Kränze Zwiebeln aus Strasser’s Scheune und einen Sack Mehl aus der Backstube von Lanzes Dorfbäckerei haben die Livrierten auch mitgehen lassen. In der Backstube haben wir als Buben manchmal Blockschokolade geklaut und soviel gegessen wie wir nur konnten. Danach haben wir uns in die Schüssel der Teig-Knetmaschine gesetzt und uns so lange drehen lassen, bis uns schlecht wurde und wir die ganze Schokolade wieder raus kotzten. Das gehört natürlich nicht zum Rezept. Die Hühner, Gattnau war danach praktisch Hühnerfrei, den sauren Weisswein, den Speck, die Zwiebeln und das Mehl brachten sie zum Chefkoch, in die Küche des Pfarrhauses, wo sich die Obrigkeit ein quartiert hatte. Der Pfarrer mußte derweilen in die Gemächer der Haushälterin umziehen, was ihn allerdings nicht weiter gestört hat. Der Koch hat aber getobt. Wie soll ich ohne Rotwein, Champions und Charlotten ein Coq au vin kochen. Der Chef bindet mich vor eine Kanone, jammerte er. Nachdem sich Bocuse, so hiess glaube ich der Koch, wieder beruhigt hatte, machte er sich doch an die Arbeit und so entstand das Weltberühmte Coq au Vin nach Gattnauer Artdass ich Heute nach koche um die Großfamilie der Schmid’s mit Anhang satt und zufrieden zu bekommen.

Aus einem der Hühner, dem sogenannte Opferhuhn kochte Bocuse eine Hühnerbrühe. Instand Hühnerbrühe von Maggi oder Knurr kannte der damals natürlich noch nicht.Die Zwiebel wurden von einem Hilfskoch geschält, grob gehackt und mit Olivenöl in einem Topf, der auch für die Hühner groß genug war, glasig gedünstet. Die gerupften Hühner hat Bocuse geviertelt, kräftig mit Pfeffer und Salz eingerieben und mit Mehl bestäubt. In einer Pfanne hat er die gewürzten und bemehlten Hühnerstücke leicht in Olivenöl angebraten und dann in den Topf auf die Zwiebeln geschichtet. Zwischendurch kamen immer wieder ein bis zwei Lorbeerblätter, zwei bis drei Nelken, ein bis zwei Pimentos, zwei Knoblauchzehen und ein anständiges Stück von dem geräucherten Bauchspeck.Als alle Hühner und die anderen Zutaten in dem Topf aufgeschichtet waren, öffnete er einige Flaschen von dem sauren Seewein und füllte den Topf damit zu zwei dritteln. Das letzte Drittel füllte er mit der Brühe des Opferhuhns auf. Bocuse wäre kein Franzose, wenn er das Ganze nicht noch mit einem schönen Stück Butter gekrönt hätte, dass die Rothosen bei Schneiders Molkerei haben mitgehen lassen. Nach 45 Minuten köcheln konnte angerichtet werden. Der Chef war, wie nicht anders zu erwarten, begeistert. Und so wurde Gattnau weltberühmt. Naja, auf jeden Fall kann man mit großer Sicherheit annehmen, dass seit damals jeder Franzose, Gattnau kennt. Und jetzt nachdem die Geschichte erzählt ist, natürlich die Anderen auch.
Ach ja, die Mengenangaben sind nur grob geschätzt. Ihr müsst sie natürlich an die Größe Eurer Familie, oder Eurer Arme anpassen. Den saueren Weisswein könnt Ihr ruhig dazu trinken und die Franzosen essen ihr Baguette dazu. 
Randbemerkung für die Südamerika Overlander: Beides findet ihr in den Supermärkten von Argentinien auch. Als Beilage gab es in Butter gedünstete salzig-süsse Karotten. Wichtig dabei ist, dass die Karotten mit der gleichen Menge Salz und Zucker gewürzt werden und genügend Butter verwendet wird. Die passen übrigens auch zu Rindfleisch, egal wie zubereitet (Wichtig für Argentinien).
Bon Appétit

Ob sich das, ich meine das mit Napoleon und so, genau so zugetragen hat, kann ich natürlich nicht mit aller letzter Sicherheit sagen, aber für mich klingt das sehr plausibel. Und noch was. Damals wie Heute mögen es die Gattnauer nicht, wenn man ihnen ihre Mistkratzer durchs Dorf jagt. Und im Wäschbach wird Heute keine Wäsche mehr gewaschen.


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