Freitag, 23. August 2013

Oh Darling, wie nett


„Oh Darling, wie nett, Du hast genau mein Lieblingsessen bestellt. Dazu würde ein milder Rosé sehr gut passen.“ Man könnte vermuten, Edda hätte mich auf diese Weise gelobt, als wir gestern Abend in einem netten Restaurant in Anchorage zusammen saßen. Weit gefehlt. So redet Edda nicht mit mir und schon gar nicht auf englisch. Wenn ich nicht selbst der Betroffene gewesen wäre, würde ich es selbst nicht glauben. Es war die Bedienung die mich so liebkoste. Edda hat sie mit Sweety angesprochen und von ihrer Bestellung war sie auch entzückt. Mir ist nicht gleich ein Kosename eingefallen und so haben wir es bei der einseitigen Liebkosung belassen. Zu ihrem Lieblingsessen wollte ich sie auch nicht gleich beim ersten kennen lernen einladen. Nachdem die Bedienung bemerkte, dass wir die intime Unterhaltung nicht vertiefen wollten, hat sie sich freundlich mit unserer Bestellung zurück gezogen. Vielleicht waren wir zu reserviert und wir hätten wenigsten Danke Schatzi sagen sollen. 
An unserem Nachbartisch beobachten wir, wie der Gast -Robert- sich beim Ober überschwänglich und mit Handschlag vorstellt. Der Ober nannte genau so überschwänglich seinen Namen -Jeff- und war überglücklich über den Besuch von Robert. Dann stellte Robert seine Hanni vor. Jeff macht ein Kompliment, dass ich nicht genau verstanden habe, aber Hanni lacht aufreizend, sagt: oh Honey... und streicht dabei über die Brust von Jeff.
Immer noch fasziniert über die Herzlichkeit des Miteinanders trinke ich mein Glas Wasser leer und da kommt Honey an unserem Tisch vorbei. Ich möchte ihn bitten mein Glas nachzuschenken. Mein Honey bleibt mir durch den strafenden Blick von Edda aber im Hals stecken und so wird ein Ho-err Ober daraus und mein Ruf bleibt ungehört.

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