Mittwoch, 17. Dezember 2014

Sie lieben ihr Essen, ihre Musik, ihre Feste und die Liebe

In Deutschland und im speziellen am Bodensee ist es auch schön. Nein, kein Aber.
In Mexiko ist es auch schön und ich frage mich immer wieder, warum die Menschen hier so viel lachen und ständig einen Grund zum feiern haben, obwohl es ihnen wirtschaftlich deutlich schlechter geht als uns in Deutschland.
Worin die Gründe dafür liegen, vermag ich als Durchreisender nicht zu beantworten. Ich kann nur meine Vermutungen und Eindrücke wieder geben. Natürlich mag es auch am Wetter, an der Wärme, an der Sonne, am Licht liegen aber das alleine ist nicht ausschlaggebend. Frisch von Deutschland eingeflogen fällt mir am Meisten die fehlende Perfektion auf. Das bedeutet viel Raum für Improvisation und die daraus resultierenden persönlichen Erfolgserlebnisse. Wenn man etwas will, oder etwas braucht, muss man sich etwas einfallen lassen und vor allem braucht man beinahe immer die Hilfe von Anderen. In einem Land, dass nicht so perfekt organisiert ist wie Deutschland, wo man sich auf die Regierung, die von ihr Beschäftigten und die Oberschicht  nicht verlassen kann, ist man auf eine gute Kommunikation untereinander angewiesen. Das bedeutet, man ist ständig in Kontakt mit Anderen und man ist auf die gegenseitige Hilfe angewiesen. Menschen, die viel miteinander reden, gemeinsam alltägliche Aufgaben lösen, lachen auch öfter zusammen. 
Ein anderes Phänomen, dass die Mexikaner zum lachen bringt, ist offensichtlich ihr Essen. Die Mexikaner essen viel und gerne. Die Menge an Restaurants, Essensstände und Konditoreien machen uns die Auswahl immer wieder schwer, nicht so den Mexikanern, sie essen einfach alles und überall. Jeder Bissen zaubert ein vergnügliches Lächeln auf ihre Gesichter. Das macht sie rund und sympathisch. Auch mit der Liebe sind sie großzügig und fangen sehr früh damit an. Am Strand, in den Parks, in der Kirche hinter einer Säule.... überall trifft man junge Paare. Später, wenn sie verheiratet sind gehen sie fremd, dafür gibt es überall Stundenmotels. Das Wochenende gehört aber dann ganz und gar der Familie. Die Familie und die Kinder sind den Mexikanern heilig, egal von wem sie sind. Na ja, dann gibt es noch die Feste. Der Grund der Feste bleibt für uns meist im Verborgenen. Wenn man in den Städten durch die Strassen zieht, trifft man ständig auf irgendwelche Festivitäten. Musik, maskierte tanzende Gruppen, Prozessionen mal mit und mal ohne Maria-Statue, tanzende Indios, die mit ihrem prächtigen Federschmuck im Rhythmus der Trommeln durch die Strassen wirbeln. Die Menschen ringsum haben immer Zeit, dem närrischen Treiben zu folgen, mit zu tanzen und zu applaudieren. Abends wird an den Zókalos (zentrale Plätze) flaniert, musiziert und von Alt und Jung das Tanzbein nach den Salsa- und Merengue Rhythmen  geschwungen. Auch die Vorplätze der Kirchen sind beliebte Festplätze. Während drinnen bei offener Pforte die Messe abgehalten oder der Rosenkranz gebetet wird, hämmert draussen eine Rockband und leicht bekleidete Jugendliche wirbeln im Licht von wild, bunt und grell blinkenden Scheinwerfern auf dem Kirchplatz. Gleich daneben, keine 20m entfernt, spielt eine Mariachi Gruppe, wobei die Musiker so in in ihre Trompeten blassen, dass man befürchten muss,  ihnen platzen gleich die Backen. Wer die Kirchgänger genau beobachtet kann sehen, wie sie ihren Rosenkranz im Takt der Mariachies oder des Hardrock beten. Überhaupt scheinen die Mexikaner sehr gläubige und fleissige Kirchgänger zu sein. Aber Todernst nehmen sie ihren Glauben nicht. Oder besser gesagt, sie können ihn gut in ihren fröhlichen Alltag integrieren. Für uns Europäer ist die Feierfreude der Mexikaner nicht immer leicht zu ertragen, besonders Nachts, wenn die Rhythmen aus allen Himmelsrichtungen die Nachtruhe nicht nur stört sondern unmöglich macht. Ich habe auch das Gefühl, für die Mexikaner ist die Lautstärke oft wichtiger als die Harmonie der Musik. 

Wenn ich bei Euch nun den Eindruck erweckt habe, als ob die Mexikaner meistens gut drauf sind, gerne Feste und die Liebe feiern, viel und gut essen, offensichtlich immer was zu lachen haben.... dann ist Euer Eindruck richtig. Natürlich ist das nur die halbe Wahrheit. Als Durchreisende bleibt für uns viel im Verborgenen. Mexiko ist eine aufstrebende Industrienation und wir haben keinen Einblick in die Arbeitswelt. Auch haben wir keinen Einblick in die Kämpfe, die die Bevölkerung mit der Drogenmafia ausfechten muss oder mit der korrupten Polizei. Als die wenigen Touristen, die noch im Land unterwegs sind werden wir nicht nur in Ruhe gelassen, sondern höflich und zuvorkommend behandelt. Man will von dieser Seite wohl keine schlechte Presse. Uns ist es recht.


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