Freitag, 11. Dezember 2015

Mamá, tengo hambre - Mama ich habe Hunger


„Desayuno“ ruft Mama die schon seit einer Stunde mit der Zubereitung des Frühstücks zu Gange ist. Sie hat einen grossen Glaskrug frischen Orangensaft gepresst, einen Stapel Tortillas auf einer heißen Platte gebacken, in einer großen Pfanne brutzeln die Huevos Rancheros (Rühreier mit gehackten Zwiebeln, Tomaten, Chilis und frischen Koriander). Eine große Kanne Kaffee, gewürzt mit Zimt steht schon auf dem Tisch. Eduardo der Jüngste springt als erster aus seiner Hängematte. Die strahlende Mama bekommt ein Küsschen und als erstes stürzt sich Eduardo ein Glas Orangensaft hinunter, dann bekommt er von Mama einen großen Schlag Eier auf den Teller, einige Tortillas dazu und schon sind die Backen voll und das runde Gesicht strahlt. Mamas Ruf „Desayuno“ blieb auch bei Fernando, José, Carlos, Ricardo, Miguel und Rodrigo nicht ungehört. Nacheinander kriechen sie aus ihren Kuppelzelten. Bei jedem das gleiche Ritual. Ein Küsschen für die strahlende und stolze Mama, dann der frisch gepresste Orangensaft, dann die Eier mit Tortillas auf den Teller. Mama strahlt und beobachtet ihre 7 Jungs, denen der Appetit ins Gesicht geschrieben ist. Eduardo der Jüngste ist 28 und Fernando der Älteste 43, alles prächtige Männer aus Mexiko Stadt, die jedes Jahr am Strand von Zipolite  einige Tage zusammen Urlaub machen. Mama darf mit. Sie sind unsere direkten Nachbarn und mit Mama haben wir uns ein wenig angefreundet. Mama weiß natürlich, das ihre Jungs von einem Teller Huevos Rancheros und einigen Tortillas nicht satt werden und reicht jedem noch einen Schlag Frijoles (Bohnenmuss) nach, ohne die keine Malzeit auskommt und mit dem man gut die Tortillas füllen kann. Mit einem Teil der Frijoles bestreicht sie 7 Tortillas, streut geraspelten Käse darüber, faltet die Tortillas zusammen und backt sie beidseitig auf der heissen Platte bis der Käse verläuft. Sie legt jedem ein auf den Teller, keiner der Jungs lehnt ab. Der Rest von den Frijoles und den Eiern verteilt sie noch unter den Jungs, Eduardo der jüngste bekommt am meisten ab. Niemand beschwert sich und keiner lehnt ab. Zum Schluss bekommt jeder noch eine gebratene, mit Honig übergossene Banane und dann ist es Zeit für die Morgentoilette. Und da Mama weiss, dass Duschen ihre Jungs hungrig macht bereitet sie schnell noch eine pikante Salsa Verde zu, die prächtig zu den Tamales (in Maisblättern gedämpfter Maisteig) die sie einer anderen Mama abgekauft hat, die mit einem Topf auf dem Kopf vorbei kam. Die Jungs waren begeistert. Frisch geduscht und hungrig verspeist jeder zwei Tamales mit der Salsa von Mama direkt aus dem Maisblatt. Während Mama den Abwasch macht und dabei Edda erzählt wie stolz sie auf ihre Jungs ist, nützen die Jungs die Zeit für ein Nickerchen. Mama kennt natürlich ihre Jungs und weiss, dass sie vom schlafen hungrig werden und vor dem Mittagessen gerne noch einen kleinen Snack haben möchten. Einige Tacos für den kleinen Hunger und als Appetitanreger scheinen dafür das richtige zu sein. José, der als erster mit der Dusche und den Tamales fertig war wird losgeschickt in die nächste Tortilleria um Nachschub zu besorgen. In der Zwischenzeit brät Mama die Füllung aus klein geschnittenem Rindfleisch, gehackten Zwiebeln, Tomaten, Paprika und Chilis. Damit füllt sie die frischen Tortillas, drei auf jedem Teller, auf jedes gibt sie einen Löffel rote Sosse aus einem Glas, dass sie von zu Hause mitgebracht hat und zum Schluß streut sie gehakte Gurken und frische Kräuter darüber und freut sich an den verzückten Gesichtern ihrer Jungs die die Tacos mit großem Appetit verdrücken. Auf der anderen Feuerstelle brodelt schon ein grosser Topf Mole, eine kompliziert zu zubereitende dicke nahrhafte Sosse aus ungesüßter Schokolade und vielen unterschiedlichen Gewürzen. Jede Familie hat ihr eigenes Rezept. Aber Mama weiss natürlich, wie sie ihren Jungs am besten schmeckt. In der großen Pfanne brutzeln Hühnerschenkel und im zweiten Topf kocht der Reis.
Die Jungs sind von dem festlichen Mittagessen begeistert und können es kaum erwarten, es auf den Teller zu bekommen. Fernando bekommt von Mama eine auf die Finger weil er mit dem Finger in den Mole-Topf greift um die unwiderstehlich duftende Sosse zu kosten. Als Eduardo der Jüngste das gleiche macht, lacht Mama nur. Ricardo, Miguel und Rodrigo decken schon mal den Tisch und Carlos kümmert sich um das Bier während Fernando die Mole umrührt um seine Mama wieder zu versöhnen. Bevor Mama die festliche Hauptspeise serviert, gibt es aber eine Caldo, eine köstlich klare Fleischbrühe mit Gemüseeinlage, die die Jungs schnell mit einigen Tortillas verdrücken weil sie es kaum erwarten die Mole auf den Teller zu bekommen. Selig betrachtet Mama ihre Jungs wie sie wortlos ihr Hühnerbein mit der Mole verdrücken und als sie die Teller blitzeblank mit Tortillas aufwischen ist ihr Glück perfekt. Aber sie wäre eine schlechte Mama wenn sie das festliche Mahl nicht noch krönen könnte. Einen Flan Caramel, schon zu Hause zubereitet und aus der Kühlbox, begeistert die Jungs. 
Offensichtlich hat auch ein mexikanischer Magen seine Grenzen, den jetzt verlangen sie alle einen Tequila. Eduardo schleppt sich zu seiner Hängematte und die anderen pennen man Strand oder im Zelt. Aber da Mama weiß, daß ihre Jungs so ein Mittagsschlaf hungrig macht, kauft sie von einer Strandverkäuferin ein großes Blech Schokoladenkuchen, der mit zuckersüßer Kondensmilch durchtränkt ist. Nach einer Stunde werden die Jungs vom Hunger geweckt und verputzen den Kuchen. Man konnte ihn essen, aber er war halt nicht von Mama. Jetzt ist es Zeit für ein Bad im Meer und da Mama weiß, daß ihre Jungs vom schwimmen hungrig werden knetet sie schon mal den Teig für Weizentortillas aus denen sie Käsedias brät wenn die Jungs hungrig vom schwimmen kommen. Aus kleinen Teilkugeln presst sie mit einer Tortillapresse ganz flache Teigfladen die sie auf der Heissen Platte bäckt uns stapelt. Als die Jungs völlig ausgehungert von ihrem Badeausflug zurück kommen ist alles vorbereitet. Die Tortillas sind gebacken, der Käse für die Füllung gezupft und die Tomaten geschnitten. Mama verteilt den Käse und die Tomaten auf den Tortillas, klappt sie zusammen und Eduardo der Jüngste darf beim ausbraten helfen. Dafür bekommt er auch drei Käsadios während die anderen sich mit zwei begnügen müssen. Inzwischen ist es halb fünf, Zeit für den Sundowner in der Strandkneipe neben an. Mama weiß, daß ihre Jungs nach einigen Bieren und vom Sonnenuntergang hungrig werden und hat sich für das Abendessen etwas besonderes einfallen lassen. Etwas womit sie Ihre Jungs auch sicher satt bekommt. Kaum sind die Jungs verschwunden fängt sie an zu schnippeln, rührt in Töpfen und brutzelt in der Pfanne. Ein köstlicher Duft verbreitet sich. ALs die Jungs gut gelaunt zurück kommen ist Mama mit dem essen noch nicht so weit. Für Fernando, der sich immer noch bei seiner Mama einschmeicheln will um seinen Fehltritt mit der Mole wieder gut zu machen, eine gute Gelegenheit. Er verteil kurzer Hand einige Tüten Chips an seine Brüder und bekommt von seiner Mama ein anerkennendes Lächeln. Schnell stellt Mama noch eine Schüssel frische Quaqumole (Advokadocrem) die sie mit Frühlingszwiebeln, gehackten Tomaten, Limetensaft, frischem Koriander, Salz und Pfeffer angemacht hat, als Dip auf den Tisch und alle sind zufrieden. Zeit für Mama um dem Abendessen den letzten Schliff zu geben. Fernando rührt wieder in den Töpfen und mir scheint, er hat bei seiner Mama mehr gut zu machen als sein Ausrutscher mit der Mole. Ich habe sie  mal darauf angesprochen, aber sie hat nur gelacht. Später, Mama hatte ihren Jungs wohl von meiner Beobachtung berichtet, haben mir die Jungs bis auf Fernando lachend zugeprostet. Mama ist bereit um den ersten Gang aufzutischen. Jeder bekommt eine große Enchilada gefüllt mit Käse, Hackfleisch und Gemüse, übergossen mit mit einer verlängerten Mole. Mama strahlt wieder als sie ihre Jungs beobachtet wie es ihnen schmeckt. Viel Zeit bleibt Mama allerdings nicht und bald hat der Letzte den Sossenrest mit einer Torvilla aufgewischt und die Teller sind bereit für den Schweinefleischeintopf mit grüner Sosse. Eine letzte Prise Salz, Fernando darf noch mal umrühren und dann bekommt jeder der Jungs einen mächtigen Schöpflöffel auf seinen Teller. Eduardo der Jüngste bekommt ein wenig mehr. Niemand beschwert sich und alle sind zufrieden. Dazu gibt es noch Kaktus-Gemüse und natürlich einen Stapel Tortillas. Gespannt wartet Mama bis ihre Jungs die Backen voll haben. Erst als sie die zustimmenden Gesichter, die Ausdrücken, wie klasse es ihnen schmeckt, strahlt auch sie. Ob sie auf ihre Kochkünste oder auf ihre prächtigen Jungs stolz ist, lässt sich nicht aus ihrem Gesichtsausdruck erkennen. Vermutlich auf beides. Als die letzten Reste mit einer Dose Bier hinunter gespült sind, ein paar mal über die Bäuche gestrichen wurde, erheben sich die Jungs und entschliessen noch mal in die Strandbar neben an zu gehen und ein paar Bierchen zu zischen. Schliesslich sind sie ja in Urlaub. Bevor sie gehen, stellen sie Mama noch einen Fernseher auf den Tisch, den schliesslich hat ja auch sie Urlaub. Zufrieden verbringt Mama den Abend vor der Glotze.  Aber natürlich weiss sie, das ihre Jungs nicht hungrig zu Bett gehen wollen. Schnell macht sie neben dem Fernseher noch eine Sopa Atzteka. Die macht satt, schmeckt den Jungs und ist schnell gemacht. Sie kocht die Fleischbrühe vom Mittag in einem großen Topf auf, gibt einige spritzer von verschiedenen Fläschchen dazu, zerrupft die restlichen Tortillas gibt sie in die Suppe und fertig ist die Sopa Atzteka. Als die Jungs dann gut gelaunt, laut schnarrend und lachend von der Kneipe nach Hause kommen, guckt Mama immer noch Fern. Eduardo hebt den Deckel vom Kochtopf, füllt sich einen tiefen Teller mit der Suppe und schlürft genüsslich die aufgeweichten Tortillas auf. Alle Anderen folgen seinem Beispiel. Mama bekommt scheinbar von dem ganzen nichts mit. Sie schaut konzentriert auf den Flachbildschirm weil sie sonst wegen dem Gegröle ihrer Jungs etwas von der Sendung verpasst. Mit einer letzten Dose Bier lassen die Jungs den Abend ausklingen und verschwinden in ihren Zelten, Eduardo in seiner Hängematte. Mama sitzt immer noch vor der Glotze. Im Schein des Fernsehers kann man sehen wie zufrieden sie ist. Mit sich und ihren prächtig geratenen Jungs, die sie immer zu ihrem Urlaub mitnehmen.
„Desayuno“ ruft Mama die schon seit einer Stunde mit der Zubereitung des Frühstücks zu Gange ist. Sie hat einen grossen Glaskrug frischen Orangensaft gepresst, einen Stapel Tortillas auf einer heißen Platte gebacken, in einer großen Pfanne brutzeln die Huevos Rancheros (Rühreier mit gehackten Zwiebeln, Tomaten, Chilis und frischen Koriander). Eine grosse Kanne Kaffee, gewürzt mit Zimt steht schon auf dem Tisch. Eduardo der Jüngste springt als erster aus seiner Hängematte. Die strahlende Mama bekommt ein Küsschen…. 

Ein neuer wunderschöner Urlaubstag beginnt.

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