Dienstag, 16. Juli 2013

Blöder Hund


Heute bin ich zu meiner allmorgendlichen Radtour früh aufgebrochen. Ich finde es toll, dass mich Edda jeden Morgen 2-3 Stunden mit dem Fahrrad voraus fahren lässt. Das Auto klarschiff macht und mich dann unterwegs aufgabelt. Ich genieße die Zeit morgens auf dem Rad, besonders an einem Tag wie heute. Stahlblauer Himmel, kein Wölkchen weit und breit und die Luft noch frisch und je nach dem wo man gerade vorbei fährt, riecht es nach Wald, frischem Gras unterschiedlichen Kräutern und Blumen oder Heu. Ich radle durch eine hügelige Landschaft, immer wieder unterbrochen von kleinen Seen an deren Ufer die Kanadier ihre schnuckeligen Holzhäuser gebaut haben. Der Rasen der riesigen Grundstücke ist ausnahmslos tadellos gemäht. Die Kanadier haben praktisch alle Hunde und ich bin froh, dass mein Pfefferspray griffbereit in einer kleinen Tasche am Lenker baumelt. Um genau zu sein haben die Kanadier zwei verschieden Hunde. Zum einen so kleine Pinscher die sie an langen Leinen vor sich hin und her oder um sich herum, laufen lassen. Man muss immer aufpassen damit man sie nicht überfährt. Ich denke da würden die Kanadischen Damen keinen Spass verstehen. Ich möchte es lieber nicht versuchen bei dem Tanzgewicht der meisten Hundeführerinnen. Ich möchte auch nicht, dass sie ihr Getränk verschüttet, das sie steht´s mit sich trägt. Also fahre ich immer vorsichtig um die hin und her und rund um laufenden Hunde durch.
Dann gibt es die Großen, die vermutlich aufpassen sollen, damit niemand den frisch gemähten Golfrasen betritt. In der Regel sind die großen Hunde nicht angebunden. Wenn man vorbei radelt schauen sie meist grimmig und ich bin froh an meinem Pfefferspray der griffbereit an meinem Lenker baumelt. Beide, den Hund und den Pfefferspray lasse ich nicht aus dem Blick bis ich vorbei bin. Ich bin auch froh, dass ich ein Rückspiegel habe, so kann ich immer sehen, ob er mich nicht doch noch hinterrücks angreifen will. Ich fühle mich gut ausgerüstet und folge bereitwillig meinem GPS der mich auf einem Schotterweg in den Wald führt. So ein Pfefferspray hilft auch gegen Bären und ich habe vor mich an das Verbotsschild „Bären nicht füttern“ zu halten das ich gestern gesehen habe.
Der Weg wird immer schlechter bis er nach 10 km ganz auf hört. Jetzt war zu entscheiden: entweder dem GPS weiter folgen und mich noch ein paar km durchs Gebüsch zu kämpfen oder umdrehen.  Obwohl ich es nicht gerne mache habe ich mich für´s umdrehen entschieden. 
Als die ersten Häuser auftauchten hatte ich wieder Asphalt unter den Reifen und ich hatte ein anständiges Tempo drauf. Ich musste ja die verlorene Zeit wieder einholen, damit ich pünktlich am vereinbarten Treffpunk mit Edda war. Als ich mir gerade den Schnitt ausgerechnet habe den ich fahren muss, damit ich pünktlich am Treffpunkt bin, im IPhone lief gerade ein Trompetenkonzert, The Prince of Denmark´s March, da habe ich ihn gesehen. Im gestreckten Lauf kam er von rechts über den frisch gemähten Golfrasen auf mich zu gerast. Ich habe sofort begriffen, dass die braune Riesen-Bestie mir den Weg abschneiden will und es, falls er das Tempo durchhält auch schafft. Ich steige voll in die Eisen und lasse den Hund keinen Augenblick aus den Augen. Das Biest kommt gefährlich nahe und ich begreife, dass ich mein Rad trotz Scheibenbremsen nicht zum halten bekomme bevor der Hund da ist. Ich löse die rechte Hand von der Bremse und greife nach dem Pfefferspray ohne den Blick vom Hund zu lassen und da passiert es. Das Vorderrad blockiert, weil ich immer noch mit der linken Hand die Bremse drücke und das Rad steigt mit mir hinten hoch. Ich wusste genau was jetzt kommt und ich wusste auch genau, wenn ich die Bremse löse fahre ich einfach weiter. Aber ich hatte weiterhin den Hund im Visier meine Hand löste sich nicht von der Bremse. So kam das unausweichliche. Ich ging nach vorne über den Lenker und landete unsanft auf dem Asphalt. Mit einem Satz war ich aber wieder auf den Beinen, griff nach dem Pfefferspray, der immer noch in der Tasche am Lenker steckte und war bereit mich und mein Rad gegen den Hund zu verteidigen. Der blöde Hund, wohl völlig überrascht von meinem Sturz dreht ab und trottet langsam zum Haus zurück. Vermutlich denkt er: Ha, dem hab ich´s gegeben, so ein Depp fällt von selbst vom Rad.
Ich habe mein Rad wieder gerade gebogen und mich weiter auf den Weg zu meinem  Treffpunkt mit Edda gemacht. Nach eineinhalb Stunden strammer Fahrt habe ich Edda pünktlich getroffen. Erst nachdem ich Edda´s verschrecktes Gesicht gesehen habe bemerkte ich, das mir Ellbogen, Knie und Nase weh tat und alles blutverschmiert war. Am nächsten Tag habe ich mich Gefühlt wie ein geprügelter Hund, konnte mich kaum noch rühren und ging am Stock.
Edda hat mir zum Trost eine Bärenhose gekauft. Mir geht es auch schon besser.


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